Nothing Phone (3) im Test: Dieses Smartphone sticht hervor
Mit dem Nothing Phone (3) will der britische Hersteller in die Smartphone-Oberklasse vorstoßen. Ob das Handy Apple, Samsung, Xiaomi und Co. Konkurrenz machen kann, klärt unser Test.
Nothing Phone (3) im Test
Ein gutes Smartphone, aber kein Top-Modell
Das Nothing Phone (3) punktet im Test mit seinem frischen, ausgefallenen Design. Bildschirm, Prozessor, Kamera und die weitere Ausstattung erfüllen zwar höhere Ansprüche und sorgen in Kombination für ein angenehmes Nutzererlebnis, gerade im Bereich "Kamera" bieten aber die Top-Smartphones der Konkurrenz noch einmal deutlich mehr.
Das hat uns gefallen
- schickes Design mit randlosem Display
- flüssiges Nutzererlebnis
Das hat uns nicht gefallen
- Essential Key und Power-Button können leicht verwechselt werden
- Essential Search noch wenig hilfreich
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Zwei Jahre lang hat Nothing sich für den Nachfolger des Phone (2) Zeit gelassen. Herausgekommen ist dem Hersteller zufolge ein "echtes Flaggschiff". Siedelten sich Phone (2) und Phone (1) noch in der oberen Mittelklasse an, soll das Phone (3) nun mit Samsungs Galaxy S25 und Co. konkurrieren - auch preislich. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 799 Euro für die 256 Gigabyte Variante ist das Phone (3) das bislang teuerste Nothing-Handy.
Ob der Preis gerechtfertigt ist und das Phone (3) wirklich in der Smartphone-Oberklasse spielt, klären wir nachfolgend.
Design
In Sachen "Design" lässt sich das auf jeden Fall bejahen. Hier sorgt der junge britische Hersteller seit Jahren für frischen Wind und hat sich auch für die dritte Version seines Handys wieder etwas ganz Besonderes einfallen lassen. So sind die Kameralinsen auf der Rückseite nicht symmetrisch angeordnet, sondern versetzt. Das erregt Aufmerksamkeit - vor allem in Verbindung mit der neuen Glyph-Matrix.
Sie ersetzt das bekannte Glyph-Interface. Statt der Leuchtelemente verbaut Nothing jetzt ein Mini-Display in der oberen rechten Ecke der Rückseite. In diesem befinden sich hunderte LEDs, die euch den Akkustand oder die aktuelle Uhrzeit anzeigen können. Über den Bildschirm lassen sich auch die aktuelle Lautstärke des Handys visualisieren und selbst für Mini-Spiele wie Flaschendrehen, kann die Glyph-Matrix genutzt werden.
Auswählen was der Bildschirm anzeigt könnt ihr über eine Sensortaste auf der Rückseite. In Zukunft will Nothing die Möglichkeiten der Glyph-Matrix noch erweitern. Aktuell ist sie aus unserer Sicht wie das Glyph-Interface der Vorgänger eine nette Spielerei, mit der man die Blicke im Freundeskreis auf sich ziehen kann.
Geblieben ist das transparente Design. Wahlweise könnt ihr das Handy wieder in Schwarz oder Weiß kaufen. Für unseren Test hat uns Nothing das weiße Modell zur Verfügung gestellt. In der Hand macht das Nothing Phone (3) einen wertigen Eindruck, auch wenn der Hersteller anders als die Konkurrenz keinen Edelstahlrahmen, sondern nur einen Aluminiumrahmen verbaut.
Mit einer Dicke von 9 Millimetern und einem Gewicht von knapp 220 Gramm ist das Handy weder besonders dick noch schwer. Es liegt gut in der Hand. Das Gehäuse ist aber leider sehr rutschig, weshalb wir zum Einsatz einer Schutzhülle raten. Diese verdeckt dann auch, dass die Kameras aus der Rückseite mehrere Millimeter hervorstehen. Das mag den ein oder anderen stören, negative Auswirkungen auf das Handling des Smartphones hat dies aber nicht. Anders als viele Flaggschiffe der Konkurrenz kippelt das Nothing Phone (3) nicht, wenn ihr es liegend auf dem Tisch bedient.
Schalten wir das neue Nothing Phone ein, kommt es zu einem weiteren Wow-Moment!
Display
Die Front des Phone (3) ist fast vollständig vom 6,67 Zoll großen AMOLED-Bildschirm bedeckt. Die Ränder rundherum hat Nothing auf weniger als 1,9 Millimeter verkleinert und erreicht eigenen Angaben zufolge so eine Screen-to-Body-Ratio von 92,89 Prozent. Diese beschreibt, wie viel Fläche das Display auf der Frontseite einnimmt. Zum Vergleich: Bei Apple und Samsung liegt sie “nur" bei 90 beziehungsweise 91 Prozent. Diesbezüglich ist das Nothing Phone (3) also absolute Spitzenklasse!
Das gilt nicht in Bezug auf die Leistungsdaten des Bildschirms. Die Auflösung des Screens beträgt gerade einmal Full HD+. Die maximale Bildwiederholrate beläuft sich zwar auf 120 Hertz. So fein abstufen, wie die Konkurrenz von Apple und Samsung kann das Nothing-Handy diese aber nicht. Denn Nothing verzichtet aus Kostengründen auf die Integration der LTPO-Technik. Diese erlaubt es, die Bildwiederholrate auf bis zu 1 Hertz zu drosseln, wenn sich der Bildschirminhalt kaum ändert. Das spart Strom. Bei Nothing liegt die minimale Bildwiederholrate hingegen bei 30 Hertz. Der Screen arbeitet also weniger effizient.
In Sachen Farbdarstellung, Kontraste und Blickwinkelstabilität bewegt sich der Bildschirm des Phone (3) dann wieder in der Smartphone-Oberklasse. Das gilt auch für die Helligkeit. Beim Betrachten von HDR-Inhalten kann der Bildschirm mit bis zu 4.500 Nits strahlen. Ein starker Wert. Im Alltag sind es maximal 1.600 Nits. Das ist zwar kein Rekord aber ausreichend, um auch bei direkter Sonneneinstrahlung die Ablesbarkeit des Bildschirms zu garantieren. Bis auf Dolby Vision unterstütz der Bildschirm zudem alle wichtigen Standards.
Prozessor und Speicher
Unter der Haube werkelt der Qualcomm-Chip Snapdragon 8s Gen 4. Dieser bewegt sich leistungstechnisch ein Stück unter dem aktuellen Top-Modell Snapdragon 8 Elite des Herstellers, bietet im Alltag aber mehr als ausreichend Power für allerlei Art von Apps und Spielen. Im Alltag werdet ihr keinen Unterschied zu den Top-Modellen der Konkurrenz bemerken.
Erhältlich ist das Phone (3) mit 256 oder 512 Gigabyte Speicher. Der Arbeitsspeicher ist 12 beziehungsweise 16 Gigabyte beim 512-Gigabyte-Modell groß. Erweiterbar ist der Speicher nachträglich nicht mehr.
Akku
Das Phone (3) ist das Nothing-Handy mit der bislang höchsten Akkukapazität. Der Akku fasst nun 5.150 Milliamperestunden und soll laut Hersteller eine Laufzeit von bis zu 2 Tagen ermöglichen. Erstmals verwendet Nothing hier einen Silizium-Karbon-Akku statt einer Lithium-Ionen-Batterie. Die neue Technik erlaubt eine höhere Kapazität bei gleicher Fläche.
Die höhere Kapazität macht sich aber nicht spürbar bemerkbar. Im Akkutest gehen beim Nothing Phone (3) nach 22 Stunden und 36 Minuten die Lichter aus. Ein eher durchschnittlicher Wert. Zum Vergleich: Samsungs Galaxy S25 Ultra schafft über 30 Stunden im Test. Aufgeladen werden kann das Nothing-Handy drahtlos oder mit bis zu 65 Watt an der Steckdose - ein entsprechendes Netzteil vorausgesetzt. Ein vollständiger Ladezyklus dauert etwas mehr als 60 Minuten. Das ist okay, aber nicht bahnbrechend.
Kamera
Ein großes Upgrade im Vergleich zum Phone (2) hat auch die Kamera auf der Rückseite erfahren. Statt zweier 50-Megapixel-Kameras verbaut Nothing hier nun drei 50-Megapixel-Kameras. Bei der dritten Kamera handelt es sich um ein Teleobjektiv, das eine 3-fache optische Vergrößerung ermöglicht. Beim Vorgänger konntet ihr nur rein digital zoomen und hier nahm die Bildqualität schon nach zweimaliger Vergrößerung rapide ab.
Beim Phone (3) sehen selbst Aufnahmen mit fünffacher Vergrößerung gut aus und bilden viele Details ab. Im Vergleich zu anderen Top-Smartphones wie dem Pixel 9 Pro XL wirken die Aufnahmen aber vergleichsweise dunkel. Bei schwachen Lichtverhältnissen solltet ihr daher besser auf den optischen Zoom verzichten. Gleiches gilt für die Verwendung des Ultraweitwinkels, hier schleichen sich bei Dunkelheit auch schnell Unschärfen in die Bilder ein. Die Hauptkamera liefert sowohl bei Tag als auch bei Nacht brauchbare Ergebnisse. Bei schwachen Lichtverhältnissen fallen die Aufnahmen aber in der Regel nicht so detailreich wie bei der Konkurrenz aus.
Das Nothing Phone (3) (rechts) liefert bei Zoomaufnahmen dunklere Bilder als das Google Pixel 9 Pro XL.
Ein deutlicher Unterschied zu den Top-Smartphones von Samsung, Xiaomi und Co. zeigt sich auch beim Aufnehmen von Videos. Während die Konkurrenz 4K-Videos mit 120 FPS und 8K-Clips mit 30 FPS liefert, schafft das Nothing Phone (3) nicht einmal 120 FPS bei Full HD-Aufnahmen. Stets ist bei 60 FPS Schluss. Kurzum: Die Kamera des Nothing Phone (3) ist gut, aber nicht absolute Spitzenklasse.
Software
Nothing liefert das Phone (3) mit NothingOS 3.5 aus. Dieses basiert noch auf Android 15. Im Herbst soll es ein Update auf OS 4.0 auf Basis von Android 16 geben. Allgemein verspricht Nothing euch Android-Updates für fünf Jahre und Sicherheitspatches für sieben Jahre.
Herzstück von NothingOS 3.5 ist der sogenannte Essential Space. Diesen hat der Hersteller bereits bei seinen Mittelklasse-Handys Phone (3a) und Phone (3a) Pro eingeführt. Beim Essential Space handelt es sich um eine KI-gestützte Erinnerungs- und Notizen‑App. Sie wird über den dedizierten Essential‑Key an der Geräteseite aktiviert. Einmal drücken speichert einen Screenshot mit optionaler Textnotiz, langes Drücken startet eine Audionotiz und ein Doppelklick öffnet den Essential Space zur Durchsicht aller gespeicherten Inhalte.
Das Tool entpuppte sich im Test als leicht zu bedienen und praktisch. Nervig jedoch: Der Essential-Key ist direkt unter dem Einschalter platziert, im Test verwechselten wir häufig die beiden Tasten. Eine haptische Unterscheidbarkeit der Buttons, etwa durch eine Riffelung, wäre wünschenswert. Ebenso eine Möglichkeit die Taste anders zu belegen, falls ihr den Essential Space nicht nutzen möchtet.
Ergänzt wird der Essential Space beim Phone (3) durch die Essential Search. Eine KI-gestützte Suche, mit der ihr Inhalte auf eurem Smartphone finden könnt - etwa Kontakte, Fotos, Nachrichten, Dokumente oder getätigte Screenshots. Zugleich könnt ihr über die Suchleiste auch Fragen beantworten oder Rechenaufgaben lösen lassen. Im Test zeigte sich die Suche aber nicht sonderlich treffsicher. Eine Suche nach "Screenshots vom Startbildschirm" lieferte beispielsweise nicht eine Übersicht von Screenshots unseres Startbildschirms auf dem Handy, sondern nur eine Erklärung, wie man einen solchen anfertigt. Teils erhielten wir auch auf deutsche Fragen noch englischsprachige Antworten.
Zudem verwirrend: Wenn ihr eine Frage in die Essential Suche eingebt und auf der virtuellen Tastatur die Lupe drückt, wird eine Google-Suche mit der Frage gestartet. Für die Essential Search müsst ihr die Bildschirmtastatur schließen und den Nothing-Suchbutton auf dem Bildschirm antippen.
Fazit
Das Nothing Phone (3) punktet im Test mit seinem frischen, ausgefallenen Design. Bildschirm, Prozessor, Kamera und die weitere Ausstattung erfüllen zwar höhere Ansprüche und sorgen in Kombination für ein angenehmes Nutzererlebnis, gerade im Bereich "Kamera" bieten aber die Top-Smartphones der Konkurrenz noch einmal deutlich mehr.
Nothing Phone (3)
Sagt euch nicht zu? Ihr sucht nach passenden Alternativen? Eine umfangreiche Liste an Nothing Phone (3)-Alternativen halten wir für euch in unserer Smartphone-Übersicht bereit.