Nokia 3210 im Test: Vor 25 Jahren wären alle meine Freunde neidisch gewesen
Mit der Neuauflage des Nokia 3210 hätte ich 1999 jeden Mitschüler und Freund beeindruckt. Im Test zeigt sich aber für mich, dass der Schritt zurück heute sehr schwerfällt.
Nokia 3210 im Test
Ein Kulthandy, das mich leider nicht mehr begeistern kann
Durchaus überzeugend wäre die Neuauflage des Nokia 3210, wenn zumindest WhatsApp darauf nutzbar wäre. So bleiben nur SMS und Telefonie, wobei die Qualität bei letzterer auch noch ziemlich schlecht ist. Zu den "coolsten" Features zählen ein MP3-Player und ein Radioempfänger, die Kamera ist mehr ein Gimmick, als wirklich brauchbar. Schick ist das Design, da alles aus Kunststoff besteht, dürfte es aber schnell Kratzer geben. Mich kriegt höchstens das vorinstallierte Snake, doch auch das nur für ein paar Minuten.
Das hat uns gefallen
- Schickes Design
- Akku wechselbar
- Dual-SIM-fähig
- Speicher erweiterbar
- MP3-Player und Radioempfänger
- 3,5 Millimeter Kopfhöreranschluss
Das hat uns nicht gefallen
- Kameraqualität schlecht
- Gesprächsqualität schlecht
- Viele vorinstallierte Spiele müssen gekauft werden
- Display dürfte schnell zerkratzen, da Kunststoff
- Kein WhatsApp
Als mein Klassenkamerad, nennen wir ihn Julian, vor rund 25 Jahren sein brandneues Nokia 3210 in der Mittagspause aus der Tasche zauberte, war ich extrem neidisch auf ihn. Während ich nach wochenlangem Betteln das günstigste Alcatel-Handy aus dem T-Punkt als erstes Handy bekam, welches eher an ein Baustellenfunkgerät erinnerte als ein Mobiltelefon, waren Julians Eltern deutlich spendabler.
Das Nokia 3210 hat sich dadurch sehr bei mir eingebrannt, denn es war so schön kompakt, hatte abgerundete Ecken und verzichtete auf die dicke, externe Antenne, die noch das Nokia 5110 oder eben mein Baustellenhandy mit Gürtelclip hatte.
Auch wenn das 3210 irgendwann durch das 3310 ersetzt worden ist, welches wir heute dank diverser Memes als unzerstörbares Handy mit unendlicher Akkulaufzeit kennen, so hat es für mich nie die Schönheit seines Vorgängers erlangt.
Nun, 25 Jahre später, hat HMD das Kulthandy neu aufgelegt, wie der Hersteller es bereits beim 3310 und anderen beliebten Modellen getan hat. Standesgemäß wird dabei auf altbewährte Features zurückgegriffen und auf viel Neues verzichtet.
Handy, Feature Phone oder nun geläufig: Dumbphone. So eines ist auch das neue Nokia 3210 - ein "dummes" Telefon ohne WhatsApp, Subway Surfer und YouTube. Kann mich das 2024 als glühender Retro-Fan und Walkman-Nutzer noch begeistern? Finden wir es heraus.
- Testbericht in Videoform
- Design, Verarbeitung, Lieferumfang
- Bedienung und Ausstattung
- Kamera
- Akkulaufzeit
- Preis und erhältliche Farben
- Fazit
Testbericht in Videoform
Design, Verarbeitung, Lieferumfang
Wenn mir jemand das Nokia 3210 in die Hand gedrückt hätte, ohne das ich wüsste, dass es das 3210 sein soll - ich bin mir nicht sicher, ob ich es sofort erkannt hätte. Designtechnisch gibt es zwar Ähnlichkeiten zum Original von 1999, allerdings beschränken sich diese auf die Form des Handys.
Die auffälligste Neuerung ist mit Sicherheit das Display. Es ist mit 2,4 Zoll deutlich größer, zudem gibt es 262.144 Farben wieder und löst in 320 x 240 Pixel auf. Unter dem Display sitzen die physischen Tasten, die in Form und Anordnung nichts mehr mit dem Original zu tun haben.
Ein weiteres Feature, das das Nokia von damals nicht hatte: Eine Digitalkamera mit Blitzlicht auf der Rückseite. Treu geblieben ist man sich hingegen bei Akku und SIM-Karte. Beides befindet sich unter der hinteren Kunststoffabdeckung, die sich sehr einfach abziehen lässt.
Der Akku ist natürlich einfach austauschbar, die SIM-Karte lässt sich darüber einschieben. Benötigt wird, wie bei aktuellen Smartphones, eine Nano-SIM. Da das Nokia 3210 nun Dual-SIM-fähig ist, könnt ihr es mit zwei SIM-Karten gleichzeitig verwenden. Über dem rechten SIM-Steckplatz gibt es zudem einen Slot für die Speichererweiterung via microSD-Karte (maximal 32 Gigabyte).
Noch zwei erwähnenswerte Dinge: Aufgeladen wird das Handy glücklicherweise nicht mehr über einen proprietären-Nokia-Anschluss, sondern über USB-C. Zudem gibt es einen 3,5-Millimeter-Anschluss zum Einstöpseln eines Kabelkopfhörers - alternativ könnt ihr aber auch Bluetooth-Kopfhörer verwenden.
Bei der Verarbeitung muss ich den Vergleich zu früher heranziehen, da moderne Smartphones sich doch auf einem anderen Level befinden: Glas, Metall - das gibt es beim 3210 nicht. Hier finde ich Kunststoff, so weit das Auge reicht. Aber hey, das war damals genauso. Bedeutet allerdings auch, dass das Display kratzempfindlicher ist als das eines Smartphones mit Glasfront.
Mit 12,2 x 5,2 x 1,3 Zentimeter (H x B x T) ist das Mobiltelefon sehr kompakt und passt locker in die Hosentasche. Mit rund 87 Gramm ist es außerdem sehr leicht. Der Lieferumfang ist erwartungsgemäß überschaubar: Ladegerät (immerhin samt Netzteil), Bedienungsanleitung - das war es schon.
Bedienung und Ausstattung
Wer möglichst original am alten Nokia-Menü bleiben will, kann in den Einstellungen zur 1x1-Ansicht wechseln. Dann hat jede Kategorie, wie früher, ein großes Icon und über die Navigationstaste in der Mitte kann zwischen diesen gewechselt werden. Diese Ansicht ist aus meiner Sicht aber nur etwas für Nostalgiker.
Etwas mehr Übersicht gibt es mit der 3x3-Ansicht. Hierüber bildet der Hauptbildschirm insgesamt neun Verknüpfungen zu Kontakten, Mitteilungen, Kamera und Co. ab. App-technisch ist das Nokia 3210 aktuellen Smartphones natürlich unterlegen, ein paar Dinge gibt es jedoch.
Die Neuauflage bietet neben der Kamera-App auch einen Musikplayer für MP3s, ein FM-Radio, das sogar ohne angesteckte Kabelkopfhörer funktioniert (diese dienten in alten Handys als Antenne), einen Videoplayer für die mit der Kamera aufgenommenen Clips, einen Wecker und Datei-Browser.
Praktisch: Unter "Extras" gibt es nützliche Dinge wie eine Taschenlampenfunktion, Timer, Taschenrechner, Kalender oder Sprachrekorder. Kann ich durchaus hin und wieder gebrauchen.
Kurios: Es gibt kein WhatsApp auf dem Nokia 3210, dafür aber Facebook - zumindest scheint es zunächst so. Als ich auf die Verknüpfung tippe, öffnet sich Opera Mini und startet die Facebook-Startseite im Browser. Opera Mini steht auf dem 3210 außerdem als eigenständige Browser-Verknüpfung zur Verfügung.
Dunkle Erinnerungen kommen hoch an 2008, als ich genau über diesen Browser auf meinem Nokia 6300 unterwegs das World Wide Web erkundete. Damals ging das noch halbwegs, heutzutage ist es einfach nur furchtbar.
Moderne Webseiten sind für Displaygröße und Auflösung einfach nicht gemacht und es gibt eben auch kein Touch. Häufig zerschießt es im Browser das Layout der gesamten Webseite, sodass man das Nokia 3210 zum Surfen wirklich nicht empfehlen kann, auch wenn es dank LTE recht flott unterwegs ist.
Dafür kommen Fans von Snake auf ihre Kosten. HMD installiert das Spiel in farbiger Neuauflage direkt vor. Es ist in Ordnung, aber auch hier haben sich die Zeiten geändert. Mit Snake lockt man mich nicht mehr hinter dem Ofen hervor, wo ich doch vom iPhone oder Asus Rog Ally einfach Besseres gewohnt bin.
Eine andere Entscheidung von HMD finden wir ebenfalls fragwürdig: Auf dem Handy sind insgesamt acht weitere Spiele vorinstalliert, darunter Klassiker wie "Doodle Jump". Beim Darauftippen wird mir angezeigt, dass ich die Games ein paar Mal kostenlos spielen kann, danach soll ich sie kaufen. Ja, genau - als ob!
Über die Einstellungen lässt sich das Handy recht gut personalisieren, Klingeltöne auswählen, Wallpaper wählen et cetera. Wer die Menüführung eines alten Nokia nicht kennt, wird sie wahrscheinlich kompliziert und wenig innovativ finden. Ich komme allerdings gut zurecht und finde alles, was ich suche.
Wie zu alten Zeiten: Wer das 3210 stummschalten oder in den Vibrationsmodus versetzen will, muss in den Einstellungen unter "Profile" das passende auswählen. Ebenso verhält es sich mit dem Schreiben von SMS, bei denen ihr auf Wunsch auch die T9-Funktion zum schnelleren und leichteren Tippen nutzen könnt - Old School, aber ich finde es charmant.
Zusammengefasst: Aus heutiger Sicht ist das Wort Funktionsumfang eigentlich schon zu viel für das Gebotene, vor 25 Jahren hätten mich meine Mitschüler für dieses Handy mit seinen vielen Features allerdings verehrt. So ändern sich die Zeiten.
Kamera
Über die Kamera können wir auch noch einmal kurz sprechen: Sie ist eher ein Gimmick oder für Menschen, die gerne Schnappschüsse machen wollen, die an Handyfotos von vor 20 Jahren erinnern.
Die Aufnahmen der 2-Megapixel-Kamera sind ziemlich verrauscht, grobkörnig und farblich nicht gerade schön. Aber eine Kamera ist natürlich besser als keine Kamera. Immerhin lassen sich über die Kamera-App noch Parameter wie Kontrast oder Helligkeit ändern, auch ein LED-Blitz kann zugeschaltet werden.
Macht euch aber gerne selbst einen Eindruck, wir binden euch folgend einige Schnappschüsse ein.
Nokia 3210 Kamera-Samples
Hier findet ihr einige Beispielaufnahmen des Nokia 3210.
Akkulaufzeit
Da das Nokia 3210 kaum Funktionen hat, hält auch der Akku natürlich lange durch. Bis zu 9,5 Stunden kann ich am Stück telefonieren - falls ich möchte - dann muss das Handy an die Steckdose.
Beim gelegentlichen Telefonieren und SMS schreiben ist es wie früher: Ihr braucht das Handy höchstens alle paar Tage an Netzteil hängen, außer ihr versucht ständig, euren eigenen Snake-Rekord zu brechen.
Gesprächsqualität
Wir haben gelernt: Das Nokia 3210 kann außer SMS und Telefonie (abseits von MP3- und Radio-Player) nicht besonders viel. Daher müsste das Handy dann eigentlich genau hier punkten. SMS funktionieren so gut wie eh und je, die Gesprächsqualität liegt allerdings auch einem sehr niedrigen Niveau.
Laut meinem Kollegen Jan klinge ich am Handy, als würde ich durch eine Blechbüchse sprechen. Die lauten Umgebungsgeräusche der umliegenden Baustellen filtert das Nokia raus, wenn ich still bin, gibt aber blecherne Soundfragmente aus, wenn ich gerade über den Baustellenlärm spreche.
Andersherum bin auch ich recht enttäuscht von der Qualität. Kollege Jan hat offenbar selbst eine Blechbüchse, durch die er mit mir spricht. Ich muss sagen: Lange Gespräche führen würde ich mit dem 3210 nicht unbedingt, für kurze Telefonate reicht es aus.
Preis und erhältliche Farben
Das Nokia 3210 gibt es in drei verschiedenen Farben zu kaufen, in Y2K Gold (Gelb), Grunge Black (Schwarz) sowie Scuba Blue (Blau). Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 80 Euro, inzwischen (Stand: Juni 2024) liegt der Straßenpreis eher bei 70 Euro, auch Preise von 62 Euro waren innerhalb von Preisaktionen schon drin.
Nokia 3210
Transparenzhinweis: Das Testgerät wurde uns vom Hersteller testweise zur Verfügung gestellt.
Sagt euch nicht zu? Ihr sucht nach passenden Alternativen? Eine umfangreiche Liste an Nokia 3210-Alternativen halten wir für euch in unserer Smartphone-Übersicht bereit.
Nokia 3210: Datenblatt
Hier findet ihr die technischen Daten zu Nokia 3210. Größe, Gewicht und andere Eigenschaften könnt ihr so problemlos mit anderen Produkten vergleichen.
| Prozessor | Unisoc T107 |
| GPU | k.A. |
| RAM | 64 MB |
| Akku-Kapazität | 1450 Milliamperestunden |
| Schnellladen | ✘ Nein |
| Austauschbar | ✔ Ja |
| Wireless Charging | ✘ Nein |
| Reverse Charging | ✘ Nein |
| Gerätespeicher | 128 Megabyte |
| Erweiterbarer Speicher | ✔ Ja |
| Hauptkamera (Rückseite) | 2 Megapixel |
| Blitzlicht | ✔ Ja |
| Höhe | 122 Millimeter |
| Breite | 52 Millimeter |
| Tiefe | 13,14 Millimeter |
| Gewicht | 61,3 Gramm |
| Display-Auflösung | 320 x 240 Pixel |
| Display-Diagonale | 2,4 Zoll |
| Display-Pixeldichte | 167 ppi |
| SIM-/ Speicher-Karten-Format, Anzahl der Slots | microSD, 1 Slot |
| Dual-SIM | Dual-SIM |
| Bluetooth | Bluetooth 5.0 |
| WiFi | ✘ Nein |
| LTE | ✔ Ja |
| 5G | ✘ Nein |
| GPRS | ✔ Ja |
| HSDPA | ✘ Nein |
| HSUPA | ✘ Nein |
| EDGE | ✔ Ja |
| GSM | ✔ Ja |
| IrDA | ✘ Nein |
| USB | USB-C |
| Kopfhöreranschluss | ✔ Ja |
| Fingerabdruckscanner | ✘ Nein |
| NFC | ✘ Nein |
| GPS | ✘ Nein |
| Glonass | ✘ Nein |
| BeiDou | ✘ Nein |
| Kompass | ✘ Nein |
| Radio | ✔ Ja |