Aus dem Kurs: Kommunikation für Berufseinsteiger:innen – Reden, Wirken, Weiterkommen

Feedback souverän annehmen – ohne sich zu rechtfertigen

Ihre Chefin sagt: "Die Struktur war zu komplex." Drei Sekunden Stille, Ihr Kopf sucht nach einer Antwort und dann kommt es raus: "Ja, aber ich hatte nur 10 Minuten Zeit und ..." Kennen Sie das? Rechtfertigung, automatisch. Verständlich, aber kontraproduktiv. Warum? Weil Rechtfertigung signalisiert: "Ich höre nicht zu, ich verteidige mich gleich, ich nehme das Feedback nicht an." Warum trifft Kritik gerade junge Berufstätige so hart? Sie sind wahrscheinlich in einer Kultur aufgewachsen, die Selbstverwirklichung betont. Kritik trifft dann schnell die Person statt der Leistung. Ein Satz wie: "Das war noch nicht ganz rund", klingt plötzlich wie: "Ich bin noch nicht gut genug." Doch Feedback ist oder sollte zumindest keine Bewertung des Menschen sein, sondern Information über Wirkung. Und genau da liegt das Missverständnis. Doch dafür braucht es die Fähigkeit, sich selbst zu führen, auch wenn es innerlich kurz sticht. Es gibt zwei typische Reaktionen, die jedoch gegen Sie arbeiten. Die erste hatten wir schon, das ist die Rechtfertigung. Das wirkt, als könnten Sie mit Feedback nicht umgehen. Und die zweite ist Abtauchen, Sie nicken und Sie sagen nichts, fühlen sich aber schlecht. Beides macht Sie kleiner. Drei Schritte kann ich Ihnen anbieten, die Ihnen hoffentlich helfen. Der erste ist zuhören, wirklich zuhören. Sagt sich so leicht. Während Ihr Gegenüber spricht, formulieren Sie wahrscheinlich schon Ihre Antwort im Kopf. Sie suchen nach Gegenargumenten, nach Erklärungen, vielleicht auch nach Ausreden. Besser: Atmen Sie. Hören Sie den Satz bis zu Ende. Lassen Sie eine Pause entstehen, bevor Sie reagieren. Wer gelassen wirkt, wirkt souveräner als jemand, der fehlerfrei ist, aber bei Kritik zusammenbricht. Zweitens: Spiegeln. Wiederholen Sie kurz, was Sie gehört haben. Beispiel: "Wenn ich Sie richtig verstehe, fanden Sie die Struktur zu komplex, weil zu viele Details auf einmal kamen." Was passiert? Drei Dinge. Erstens: Ihr Gegenüber fühlt sich gehört. Zweitens: Sie gewinnen Zeit zum Nachdenken. Und drittens: Sie zeigen, dass Sie Feedback ernst nehmen. Gerade in hierarchischen Kontexten ist das entscheidend. Wenn Ihre Vorgesetzten Ihnen Feedback geben, signalisiert spiegeln: "Ich nehme Sie ernst, ohne mich zu unterwerfen." Und drittens: Positionieren. Jetzt erst. Nachdem Sie zugehört und gespiegelt haben, antworten Sie. Und hier haben Sie jetzt schon wieder zwei Wahlmöglichkeiten. Sie können entweder sagen: "Danke für den Hinweis, ich nehme das mit und passe es beim nächsten Mal an", oder Sie können sagen: "Ja, ich sehe das anders, für mich war diese Detailtiefe notwendig, aber ich höre, dass es bei Ihnen nicht ankam." Ich denke, der entscheidende Satz, den Sie sich unbedingt merken sollten, das ist: "Danke für den Hinweis, ich denke darüber nach." Kurz, klar, souverän und meistens völlig ausreichend. Kommen wir zu Ihrer Mini-Übung. Bitten Sie eine Freundin oder einen Freund, Ihnen Feedback zu geben, egal wozu. Ihre Aufgabe ist, nur zuzuhören, dann spiegeln, dann bedanken. Keine Rechtfertigung. Sie werden merken, allein das ändert die Atmosphäre. Im Workbook finden Sie Inspiration und weitere Formulierungen. Und einen letzten Gedanken möchte ich noch anschließen. Diese Techniken gelten für konstruktives Feedback, aber manchmal ist Kritik unfair, versteckt abwertend oder übergriffig. Wie Sie dann reagieren, ohne sich klein zu machen, das sollten wir uns jetzt ansehen.

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