Aus dem Kurs: Erfolgsstrategien für Frauen in Führungspositionen

Eigenschaften und Rollenverständnis

Vielleicht ist Ihnen schon einmal der Begriff des Gender Bias begegnet. Er bezeichnet eine verzerrte Auffassung von der Wirklichkeit, die durch falsche Annahmen bzw. Voreingenommenheit gegenüber einem Geschlecht entsteht und die nicht auf belegbaren Fakten beruht. Aus meiner Sicht ist die Voreingenommenheit gegenüber Frauen oder Männern im Grunde nichts anderes, als die Folge der Fortführung eines tradierten Rollen- und Geschlechterverständnisses. Erwartet wird, dass Männer sich in Weise A verhalten, Frauen in Weise B. Erwarten wird, dass Männer bestimmte Eigenschaften haben, Frauen bestimmte andere. Ob diese Erwartungen der Realität entsprechen, wird normalerweise nicht überprüft. Ich möchte Ihnen im Folgendem gerne zeigen, welche geschlechtsspezifischen Eigenschaften Frauen und Männer meiner Erfahrung nach zugewiesen werden. Wenn weibliche Eigenschaften zur Sprache kommen, dann fallen Begriffe wie gefühlsorientiert, kooperativ, ganzheitlich, aufopfernd, aber auch intuitiv und warmherzig. Im Gegensatz dazu werden Männer oft als fakten- und wettbewerbsorientiert beschrieben, als fokussiert und selbstbezogen, als rational und auch als kaltherzig bzw. aggressiv. Die Liste ließen sich bestimmt noch eine weitere, aber ich denke, Sie sehen die Unterschiede sehr deutlich. Ich gehe nun einen Schritt weiter und frage, wie sich Männer und Frauen auf der Basis solcher Eigenschaften verhalten. Nun wenn ich mir diese Begriffe anschaue, dann fällt mir auf, dass sie das tradierte Rollenverständnis von Frauen und Männern nahezu perfekt widerspiegeln. Ja, wir leben im 21. Jahrhundert, und Frauen sind heute gut ausgebildet und spielen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wichtige Rollen. Dennoch scheint hinter diesen Begriffen immer noch stark das klassische Frauenbild durch. Weich, stärker an anderen als an der eigenen Person orientiert und mit einem hohen emotionalen Faktor. Sicherlich sind das nicht immer diejenigen Eigenschaften, die sich bewahren, wenn es gilt, sich im Wettbewerb mit anderen zu beweisen. Und genau hier setzt das Problem. Führen Sie sich das klassische Bild von einer Führungskraft vor Augen. Viele der Eigenschaften von Führungskräften sind männlich besetzt. Wettbewerbsorientierung, Rationalität und auch ein gewisses Maß an Aggression werden als Faktoren genannt, die erfolgreiche Führungskräfte ausmachen. Glücklicherweise hat sich dieses Bild in den letzten Jahren verändert und verändert sich nach wie vor. Wenn heute gefragt wird, welche Eigenschaften erfolgreiche Führungskräfte brauchen, dann werden auch Eigenschaften wie emotionale Intelligenz, Flexibilität und Kooperationsfähigkeit genannt, um nur einige zu nennen. Das sind Eigenschaften, die traditionell eher Frauen zugeschrieben sind. Was bedeutet das nun für das Thema dieses Videokurses? Im Folgenden möchte ich Ihnen ein paar Anregungen zum Umgang mit geschlechtsspezifischen Eigenschaften und den daraus folgenden Rollenerwartungen geben. Zum einen, unterschätzen Sie nicht die Strahlkraft des klassischen Rollenbilds. Selbst wenn Sie anders leben und das klassische Rollenbild in Ihrem Leben keine Bedeutung hat, seien Sie sich dessen bewusst, dass Sie im Berufsleben immer wieder in Situationen kommen werden, in denen es Ihnen übergestülpt wird oder in denen das zumindest versucht wird. Mit diesem Bewusstsein sind Sie auf derartige Situationen besser vorbereitet und können passend reagieren. Nutzen Sie zweitens die positiven Eigenschaften Ihres Geschlechts und setzen Sie sie bewusst ein. Bitte verstehen Sie mich richtig. Keineswegs möchte ich Ihnen nahelegen, unkritisch Stereotypen zu übernehmen. Aber wenn Sie sich die Eigenschaften anschauen, die ich vorhin typisch weiblich bezeichnet habe, dann bin ich überzeugt davon, dass diese Eigenschaften je nach der konkreten Situation sehr vorteilhaft sein können. Daraus folgt für mich ein dritter sehr wichtiger Punkt. Manche Frauen gerade in männerdominierten Bereichen versuchen sich dadurch zu behauten, dass sie männliche Eigenschaften möglichst weitgehend kopieren. Plakativ formuliert, sie versuchen, die besseren Männer zu werden. Das ist aus meiner Sicht keine gute Idee. Ich finde es legitim, wenn eine Frau die eine oder andere Eigenschaft übernimmt, die sie bei Männern als Erfolgsfaktor wahrnimmt. Sie sollten dies aber nur dann tun, wenn Sie selbst diese Eigenschaft positiv sehen und wenn diese Eigenschaft zu Ihrer Persönlichkeit passt. Verbiegen Sie sich nicht, bleiben Sie authentisch. Eine bestimmte Eigenschaft als solche kann noch zu erfolgsträchtig sein, der sich Ihr zu Liebe verbirgt, der wird garantiert scheitern. Wenn nicht kurzfristig, dann jedoch sicherlich auf langer Sicht gesehen.

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